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Abgegriffene Browserdaten - WOT
05.11.2016 um 12:30 Uhr - Pow3rBust3r
Der Norddeutsche Rundfunk legt bei seinen Enthüllungen rund um die abgegriffenen Browserdaten nach: Auch intime Informationen zu Spitzenpolitikern lassen sich aus den Datensätzen ableiten. Politiker seien durch solche Datensammlungen erpressbar.
 
 
Während einer Recherche ist Reportern der NDR-Magazine Panorama und Zapp ein umfangreiches Datenpaket zum Surfverhalten von drei Millionen Deutschen übermittelt worden. Dabei hatte sich unter anderem herausgestellt, dass die Daten auch von der Browser-Erweiterung WOT abgegriffen wurden. Wie bereits in den vorangegangenen Berichterstattungen angedeutet, sind unter den Daten auch sensible Informationen zu Bundes- und EU-Politikern zu finden. Nun konkretisiert der NDR seine Angaben.
 
Browserdaten machen Politiker erpressbar
 
Die Datenspur reiche demnach "bis ins Bundeskanzleramt" . Es seien Informationen "zu Reisen und Treffs, zur Vorbereitung interner Sitzungen, zum Umgang mit Interessensgruppen oder auch zu privaten Dingen wie Vermögensverhältnissen und Gesundheit" ausgeforscht worden. Dies behindere die politische Arbeit und könne die Politiker erpressbar machen, kommentiert der Sender.
 
Einige der betroffenen Politiker sind nun auch mit Namen bekannt. So seien von der Grünen Bundestagsabgeordneten Valerie Wilms Browserdaten aufgetaucht, mit der sich ihre Reisen nachvollziehen lassen. Auch gebe es Hinweise zu ihrer Gesundheit und ihren Steuerdaten.
 
Den Staatsminister der Bundeskanzlerin, Helge Braun (CDU), hat es ebenfalls erwischt. Laut NDR seien Brauns Informationen über den Computer eines Mitarbeiters in der Datensammlung gelandet. Braun gilt als Vertrauter von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Frank Junge (SPD), im Finanzausschuss für den Haushalt der Bundesrepublik verantwortlich, ist auch im Datensatz identifizierbar.
 
Nicht einfach Firmen vertrauen
 
Konfrontiert mit den Rechercheergebnissen, zeigten sich die Politiker erschrocken: Wilms erklärte, dass sie sich demjenigen gegenüber nackt fühle, "der die Daten hat", man werde "durchaus erpressbar". Der netzpolitische Sprecher der SPD, Lars Klingbeil, erklärte: "Ich habe nicht gewusst, dass solche Sachen identifizierbar sind. Vielleicht ist man da naiv an der Stelle, aber man braucht auf jeden Fall Aufklärung darüber, welche Daten eigentlich erhoben werden und was mit den Daten dann passiert". Wenn sich herausstelle, dass man den Firmen nicht einfach vertrauen könne, "dann müssen Gesetze her", so Klingbeil. CDU-Politiker Braun stellte klar, "dass es oftmals ungeachtet der Unzulässigkeit des Datenabflusses schwierig ist, als Anwender diesen überhaupt nachzuvollziehen".
 
Für ihre Recherchearbeit hatten NDR-Reporter eine Scheinfirma gegründet. Ein Unternehmen bot die nun ausgewerteten Daten als kostenlosen Probe-Datensatz an. Dieser umfasst laut NDR schätzungsweise ein Prozent aller aus Deutschland im Monat August besuchten Webseiten.
 
Der NDR hat die ersten Details zu seinen Enthüllungen bereits am 1. November in der Sendung Panorama 3 ausgestrahlt. Am 2. November wurde in der Sendung Zapp der Journalist Dirk von Gehlen von der Süddeutschen Zeitung mit seinen abgegriffenen Browserdaten konfrontiert. Er machte deutlich, dass sich durch diese Datensammlungen auch die Berichterstattung von Journalisten beeinflussen lässt. Recherchen können nachvollzogen werden, Kontakte identifiziert.
Link: heise.de

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